Freitag, 13. Februar 2015

59. Die Ungleichheit vor dem Gesetz am Beispiel des §166 StGB

59.   Die Ungleichheit vor dem Gesetz am Beispiel des §166 StGB

Vor dem Gesetz sind angeblich alle gleich.   Leider aber stimmt das nicht wirklich.  Es gibt faktisch ein Zweiklassenrecht. 
Die Oberklasse sind diejenigen, die sich eine Rechtsschutzversicherung und/oder die durch Gebührensätze eindeutig festgelegten hohen Anwaltskosten leisten können.   
Die Unterklasse sind diejenigen, die sich das nicht leisten können.  

So weit es um eindeutig definiertes Fehlverhalten geht, hat jeder tatsächlich die gleiche Chance, Gesetze nicht zu übertreten.   Verhalten wie etwa einen Banküberfall kann jeder vermeiden.   
Aber je mehr Tatbestände umstritten und die Auslegung von Gesetzen im Ermessensspielraum eines Richters liegen, desto deutlicher wird die Benachteiligung derjenigen, für die Rechtsbeistand unerschwinglich ist.  
Das betrifft zum einen das Zivilrecht, wo jemand durch das hohe Kostenrisiko daran gehindert wird, sich gegen Unrecht zur Wehr zu setzen.   

Das betrifft aber vor allem das Risiko, unsinnige, umstrittene und unakzeptable Gesetze zu überschreiten. 

Der §166 StGB ist ein gutes Beispiel: 
§166 StGB
Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Im Augenblick ist eine Petition beim Bundestag anhängig, mit der zu Recht die Abschaffung dieses Paragraphen gefordert wird.   
Interessant ist dabei die Diskussion auf dem Petitionsforum.  Es wurde darauf hingewiesen, daß viele oder sogar die meisten Anklagen mit einem Freispruch enden.   Das sollte eine Begründung für die Abschaffung dieses obsoleten Paragraphen sein. Dieser Hinweis wurde aber fälschlicherweise so interpretiert, als sei §166 StGB so harmlos und unschädlich, daß man ihn beibehalten könne.    

Dabei wurde völlig außer Acht gelassen, daß dieser Paragraph zwei Ebenen von Bedrohung darstellt und alles andere als harmlos ist.
  
Nur die Oberklasse mit dem Zugang zu Rechtsbeistand kann es sich das kalkulierte Risiko leisten, angeklagt zu werden und ein Verfahren bis zum Freispruch durchzuhalten.   Wer in der Oberklasse eine Anklage riskieren kann, hat dadurch die Freiheit, seine Meinung uneingeschränkt zu sagen oder zu schreiben.  
Für die Unterklasse ist schon eine Anklage eine finanzielle Existenzbedrohung, da auch ein nur wahrscheinlicher Freispruch ein hohes finanzielles Risiko darstellt.  Die Unterklasse wird dadurch mundtot gemacht und eingeschüchtert.  Aufgrund des nicht verkraftbaren finanziellen Risikos wird die Freiheit der uneingeschränkten Meinungsäußerung drastisch beschnitten.   

Die Bedrohung durch die Verfahrenskosten ist eine indirekte Form der selektiven Zensur.  Ich finde es empörend, daß uneingeschränkte Meinungsfreiheit nur für diejenigen gilt, die sich das Risiko der Anklage leisten können.       

Sonntag, 8. Februar 2015

58. Gedanken zur Monogamie

58.  Gedanken zur Monogamie

Wenn man Monogamie googlt, findet man sehr viele Texte, die Monogamie als unnatürlich oder als nicht mehr zeitgemäß ablehnen.   Aber diese oberflächlichen Gründe verdecken, worum es eigentlich geht.   

1. Nutzen der Monogamie
 
1.1.  Bei Tieren und bei fortpflanzungsorientierten Menschen nützt, evolutionsbiologisch betrachtet, Monogamie vor allem den Nachkommen, die von zwei Elternteilen versorgt werden, sowie den dadurch entlasteten Muttertieren.  

1.2.  Betrachtet man die Menschen ohne Fortpflanzungsabsichten, dann hängt die Bedeutung der Monogamie von der Bedürfnisstruktur ab.   Für tierische, nur körperliche Bedürfnisse ist Monogamie unwichtig.  
Aber nur in exklusiver, monogamer Zweisamkeit können kognitive und emotionale Bedürfnisse nach vertrauensvoller Zusammengehörigkeit und Geborgenheit befriedigt werden, ohne daß Dritte in einer Konkurrenzsitution eine Bedrohung um die verläßliche Verfügbarkeit dieser emotionalen Ressourcen bilden. 
Je stärker also die kognitiven, intellektuellen und emotionalen Bedürfnisse an einen Partner, desto wichtiger ist zuverlässige Monogamie.   Während vor allem für Männer fast jeder auswechselbare weibliche Körper sich zur triebreduzierenden Kopulation eignet, ist Monogamie um so beglückender, befriedigender und unverzichtbarer, je mehr ein Partner als individueller Mensch mit kognitiver Individualität wahrgenommen und geschätzt wird. 

1.3.  Männliche Ablehnung der Monogamie
Die männliche Ablehnung läßt sich evolutionsbiologisch erklären.  Würde der spezifisch menschliche, rationale Teil des Gehirns bei Standardmännern völlig abgeschaltet, würden sie hemmungs- und rückhaltlos wie Tiere bestrebt sein, bei jeder sich bietenden Gelegenheit und mit beinahe jedem weiblichen Körpern zu kopulieren.    
Verglichen mit diesem tierischen, instinktiven Drang wird der auf einen einzigen Frauenkörper begrenzte Zugang als eine unerwünschte Beschränkung wahrgenommen.   Sobald Männer aber beanspruchen, Menschen zu sein, läßt sich ihre Verweigerung der Monogamie so zwar erklären, aber keinesfalls rechtfertigen.   Immer dann, wenn andere darunter leiden müssen, darf das tierische Erbe nicht als bequeme Ausrede verwendet werden.    

1.4.  Weibliche Ablehnung der Monogamie
Die weibliche Ablehnung richtet sich hingegen häufig nicht gegen die Monogamie selbst, sondern gegen unerwünschte Nebeneffekte, die ein zu hoher Preis dafür sind.   Eine Frau, die in der Monogamie Geborgenheit und Zusammengehörigkeit zu finden hofft, aber im Falle von Unterdrückung, Ausbeutung und Kontrolle durch einen übermächtigen, dominanten, aggressiven und rücksichtslosen Partner nicht bekommt, wird sich diesem Risiko nicht mehr aussetzen wollen.  


2.  Risiken für monogame Menschen
 
Alle Menschen, vor allem Frauen, die ihren eigenen Bedürfnissen entsprechend eine von ihrer Seite aus monogame Beziehung eingehen, riskieren dabei, früher oder später schlimm verletzt zu werden.  Denn für ein glücklich monogames Leben braucht man auch einen absolut verläßlich monogamen Partner.  
Wer nicht monogam ist, hat eine Machtposition, wer monogam ist, ist verwundbar.  
Völlig ausgeliefert sind Frauen aber trotz der biologischen Gegebenheiten der Männerkörper dem Risiko nicht, falls sie ihren Verstand gebrauchen.   Obwohl es tatsächlich keine sichere Methode zum Erreichen garantierter Monogamie gibt, läßt sich durch kluge Partnerwahl die Wahrscheinlichkeit erhöhen.   Viele Frauen sind sich dessen leider nicht bewußt.


3.  Die Risikominderungsmethoden monogamer Menschen

Durch kluge Partnerwahl läßt sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen sich monogam verhaltenden Partner zu finden.

3.1.  Häufig ist es für die Frau nicht erkennbar, ob ein Mann, der spontan und instinktiv mit Kopulationswünschen auf die Gegenwart eines Frauenkörpers reagiert, zusätzlich auch noch kognitive und emotionale, nur durch Monogamie erfüllbare Bedürfnisse hat oder nicht, und in welchem Ausmaß.   Fehleinschätzungen können dabei für Frauen extrem schmerzhaft sein.   
Vermeiden lassen sich diese irreführenden männlichen Instinktreaktionen leider nicht.   Aber je geringer die Triebreaktionen sind, desto weniger werden alle auch vorhandenen kognitiven Bedürfnisse verborgen und unsichtbar.    Diese zu erkennen oder deren Fehlen rechtzeitig zu bemerken ist für eine Frau mit Monogamiebedürfnis extrem wichtig.   Deshalb wird durch jede Verstärkung der männlichen Triebreaktion die Verfolgung langfristiger Ziele behindert.   
Eine kluge Frau, die auf Monogamie Wert legt, vermeidet alles in ihrer Aufmachung und in ihrem Verhalten, was die triebhaften Reaktionen verstärkt.   Sie bevorzugt Männer mit geringer Triebstärke, die nicht mit blinder tierischer Leidenschaft auf ihren Körper reagieren, sondern die von Anfang an eigene monogame Langzeitbedürfnisse erkennen lassen.    
Eine kluge Frau klärt, ob und welche nichtkörperlichen, kognitiven und emotionalen Bedürfnisse der Partner hat und ob Monogamie überhaupt sein eindeutiges Ziel ist, bevor sie sich auf körperliche Intimität einläßt.  Lügen und Manipulationen kann sie damit zwar nicht vermeiden, aber zumindestens Mißverständnisse.

3.2.  Monogamie ist bei einem Mann je weniger zu erwarten und je unwahrscheinlicher, desto leichter und müheloser Frauenkörper für ihn subjektiv oder objektiv verfügbar sind.  
Kluge Frauen überlassen die starken, großen, muskulösen, draufgängerischen und wohlhabenden Alphamänner den Standardfrauen.  Stattdessen bevorzugen sie die von den Standardfrauen abgelehnten armen Hänflinge, die den Wert einer monogamen Dauerbeziehung zu schätzen und zu würdigen wissen.  

3.3.  Wer kognitive Bedürfnisse überhaupt nicht hat, von dem kann man sie auch nicht als Voraussetzung von Monogamie erwarten.    Je mehr jemand allgemein starke intellektuelle und kulturelle Bedürfnisse hat, desto wahrscheinlicher ist es, daß die Partnerin als Individuum wahrgenommen und gewählt wird.   Je mehr eine individuelle Partnerin genau die kognitiven Bedürfnisse eines Mannes erfüllten kann, desto weniger ist sie austauschbar.   Für zwei Partner, die wechselseitig einzigartig und nicht austauschbar sind, ist Monogamie logischerweise die beste Lebensform. 
Eine kluge Frau sucht sich einen stark kognitiv orientierten Partner, für den sie einzigartig ist.   Sie zeigt ihm auch deutlich ihre eigene Wertschätzung seiner nicht-körperlichen und nicht-materiellen Qualitäten. 

3.4.  Was gut und wertvoll ist, hat oft einen Preis.   Dazu gehört auch Monogamie.   Wenn eine Frau Monogamie erwartet, muß sie auch selbst ihren Anteil dazu beitragen. 
Dabei gibt es zum einen den symmetrischen Aspekt.   Wenn eine Frau eine monogame, kognitiv-emotionale Bindung wünscht, darf sie auch ihrerseits nicht den Partner auf die Rolle des materiellen Versorgers reduzieren oder ihn im Vergleich zu Kindern emotional benachteiligen.   Frauen, die das tun, zerstören selbst die Basis für Monogamie.  
Zusätzlich gibt es aber auch noch den Aspekt der asymmetrischen Physiologie.  Die kluge Frau erwartet Monogamie von einem Mann nur, wenn sie im Gegenzug alle seine Triebe so befriedigt, daß ihr Verhalten sich niemals als Ausrede für die Verweigerung der Monogamie verwenden läßt.   Sie wählt deshalb einen Partner, bei dem ihr die Befriedigung seiner Triebe ohne Widerwillen und ohne Selbstüberwindung möglich ist, also als ein freiwillig und gerne gegebenes Geschenk, nicht als ein Opfer.  

Freitag, 30. Januar 2015

57. Männliche Denkfehler: Ein Beispiel

57.  Männliche Denkfehler: Ein Beispiel
 
Ich wurde kürzlich auf einem Partnersuchportal von einem Mann kontaktiert.  Fast alles hätte gepaßt, hätte er nicht in seinem Profil geschrieben, daß sein Ideal eine Frau in Stöckelschuhen und Strümpfen mit Strapsen ist.  
Darauf habe ich geantwortet, daß mir jegliche äußerliche Eitelkeit so wesensfremd ist, daß ich dafür keine Opfer bringe.  Meine Aufmachung ist immer bequem und so, daß fremde Männer bei klarem Verstand sofort erkennen können, daß ich mich nicht zum Freiwild eigne.  
Deshalb trage ich nur flache Schuhe, Hosen oder Hosenröcke, luftig große Oberteile, und auf Schmiere im Gesicht und Schmuck kann ich auch verzichten.  Ein gutes Buch ist weit interessanter als der Blick in einen Spiegel.
 
In seiner Antwort unterstellte dieser Mann mir die angebliche Eitelkeit, daß ich mir selbst gefallen wolle statt ihm.  

Die Wünsche und die Reaktion dieses Mannes lassen drei Denkfehler erkennen, die bei Männern aber weit verbreitet sind.

1.  Da mein Äußeres für meine Identität unwichtig ist, habe ich keinen Grund, mir selbst gefallen zu wollen.       
Ich identifiziere mich nicht mit meinem Körper.   Meine Identität ist das, was sich in meinem Gehirn ereignet.  Mein Körper ist nur insoweit wichtig, wie er das Funktionieren und den Transport meines Gehirns ermöglicht.   Dafür ist zwar ein gesunder Lebensstil wichtig, aber nicht die Gestaltung des Aussehens.   Gesunde Füße und bequeme Kleidung verhindern Beeinträchtigungen beim Fokus auf kognitive und intellektuelle Aktivitäten.  
Außerdem weigere ich mich auch nicht, den Geschmack des Partners bei der Wahl meiner Kleidung zu berücksichtigen, so weit das im vernünftigen Rahmen und ohne Opfer möglich ist, also solange Bequemlichkeit und ausreichende Bedeckung in der Öffentlichkeit gegeben sind.  Aber mit Stöckelschuhen stürzen und mir die Knochen brechen, das Opfer bringe ich für keinen Mann.  

2. Jemandem gefallen zu wollen ist nicht automatisch das selbe wie mit Auslösereizen seine tierischen Triebe anzusprechen.  Aufgrund physiologischer Gegebenheiten des männlichen Körpers ist es völlig überflüssig, die unvermeidbaren instinktiven Reaktionen auf weibliche Körper noch durch Opfer bei der äußeren Gestaltung zusätzlich zu verstärken.   
Im männlichen Körper entstehen regelmäßig Abfallstoffe, die zu einem mehr oder minder starken Gefühl des Unwohlseins fühlen, wenn sie nicht entfernt werden.  Der Drang, diese Stoffe vorzugsweise in einem weiblichen Körper zu entsorgen, entsteht von selbst, auch ohne jegliches Zutun von Frauen.  Die gezielte Gestaltung weiblicher Körper kann das Entstehen des Drangs allerdings zusätzlich beschleunigen und verstärken.   Durch den Verzicht auf diese Gestaltung wird der physiologisch erzeugte Drang aber nicht verhindert oder gemindert.  

3.  Wenn ein gutwilliger und rücksichtsvoller Mann von einer Frau erwartet, daß sie sogar Opfer für die Entstehung und Verstärkung seines Dranges nach Triebbefriedigung bringt, dann geht er davon aus, daß sich dieses Opfer auch für die Frau selbst lohnt.  
Er geht von der Annahme aus, daß die Frau den selben Drang nach Triebreduktion hat wie er selbst und daß es deshalb auch für sie selbst erstrebenswert ist, seinen Drang zu verstärken. 
Dieser Mann betrachtet etwas als selbstverständlich, obwohl es Alternativerklärungen gibt.  

Wenn ein Mann innerhalb einer monogamen Dauerbeziehung oberflächlich erlebt, daß die Partnerin willig, rückhaltlos und ohne jegliche Anzeichen von Widerwillen sich aktiv an der von ihm benötigten Triebreduktion beteiligt, kann er trotzdem nicht wissen, warum sie das tut und welchen persönlichen Gewinn sie davon hat.
Für eine Frau kann das Ziel und der Zweck dieses Verhaltens nämlich etwas ganz anderes sein anstelle der Befriedigung von bei ihr selbst weniger vorhandenen starken Trieben.  Stattdessen ist es ihr Ziel, den Partner in den vorübergehenden Zustand der Triebpause zu versetzen.   
In diesem Zustand sind Männer am angenehmsten und am ehesten als ernsthafte, nicht abgelenkte Gesprächspartner für kulturelle und intellektuelle Aktivitäten geeignet.  Mit einem Mann, der unter akutem Triebstau leidet und der nur noch darüber nachdenkt, wie er es am leichtesten durchhält bis zur nächsten Bettsession, mit dem ist kaum ein vernünftiges Gespräch zu führen. 
Wenn eine Frau das Ziel und den Wunsch hat, daß ihr Partner in kognitiv voll fähigem Zustand zum Gelingen eines intellektuell beglückenden Erlebnisses beitragen kann, dann gehört für sie seine Triebbefriedigung zur Vorbereitung auf gemeinsame kulturelle Aktivitäten.  Diese Frau hat logischerweise kein Interesse daran, durch ihr Äußeres seinen (zumindestens vorübergehend) nicht erwünschten Drang nach ihrem Körper noch zu verstärken.  

Ihr Wunsch, mit einem Partner in optimalem Zustand beispielsweise einen Museumsbesuch genießen zu wollen, ist für sie genau so legitim, wichtig und gerechtfertigt wie sein Genuß der Triebbefriedigung selbst.  Der Wunsch nach den nichtkörperlichen, kognitiven und emotionalen Aspekten einer Paarbeziehung ist genau so berechtigt wie der nach Triebbefriedigung.   Es gibt keinerlei logischen Grund, den Genuß der Triebbefriedigung einseitig aufzuwerten, statt anzuerkennen, daß hier ein fairer Austausch stattfindet. 



Echte faire Gleichberechtigung bedeutet deshalb einerseits, daß die Partnerin es als ihre Aufgabe ansieht, einen treuen Partner dabei zu unterstützen, daß er nie unter unbefriedigten Trieben leiden muß.   
Andererseits ist es die Aufgabe des Partners, bewußt die unvermeidliche Befriedigung seiner Triebe als einseitiges Geschenk und Liebeszeichen von Seiten der Partnerin anzunehmen, und ihr im Gegenzug das zu geben, was ihren Bedürfnissen entspricht. 
Das beinhaltet, daß er die Einschätzung völlig ihr überläßt, warum und für welchen Zweck sie seine Triebe befriedigt und welchen persönlichen Vorteil sie davon hat.  Wichtig für ihn ist nur, daß sie es freiwillig und als Teil eines von ihr als fair erlebten Austausches tut.   Selbst wenn es für ihn nicht nachvollziehbar ist, daß der entspannte gemeinsame Museumsbesuch für sie beglückender ist als die vorbereitende Triebreduktion, erfordert der Respekt für eine gleichberechtigte Partnerin, daß er das trotzdem nicht nur akzeptiert, sondern aktiv und kooperativ unterstützt.
 
Viele Männer müssen da noch grundlegend umdenken.  

Samstag, 24. Januar 2015

56. Willkür und Zensur bei AHANO

56.   Willkür und Zensur bei AHANO

Das folgende bezieht sich auf meine Erfahrungen bei Ahano.   Daß Querdenker durch willkürliche oder gezielt einseitige Zensur mundtot gemacht werden, ist aber leider bei Online-Plattformen eine häufige Erscheinung und nicht auf Ahano beschränkt.   Bei Seniorbook habe ich auch ähnliches erlebt.

Bei Ahano war ich Mitglied in einer Interessengruppe.   Dort hatte ich eine Kopie des Blogbeitrages über ein Monster, das als Vorbild und Religionsstifter verehrt wird, veröffentlicht.  
In dem Beitrag habe ich zwar klar und deutlich mein Entsetzen geäußert, aber in sachlicher Sprache und weder den Religionsstifter noch die Religion habe ich beim Namen genannt.  

Dieser Text wurde von Seiten von Ahano gelöscht, ohne daß ich informiert wurde.   Die Löschung erfolgte auch gegen den Wunsch der Gründerin der Gruppe.  Sie hat trotz zweimaliger Nachfrage nach einer Begründung von Ahano nicht einmal eine Antwort bekommen.  
Nachdem ich mit einem weiteren Beitrag auf die Zensur aufmerksam machen wollte, zusammen mit einem Link zu dem gelöschten Text hier auf dem Blog, wurde nicht nur der Beitrag gelöscht, sondern auch noch mein Account.   Informiert wurde wieder niemand.  

Diese Form der Zensur ist gleichzeitig lächerlich und sehr gefährlich.   Wenn Querdenker mundtot gemacht werden, dann fördert das Konformität im Denken und die selektive Etablierung von den sozialen Normen, die von den Zensoren bevorzugt wird.   Denn zu manchem, was als eine angebliche Selbstverständlichkeit präsentiert und hingenommen wird, gibt es durchaus Denk- und Verhaltensalternativen.   Zensur ist der mehr oder minder erfolgreiche Versuch, den kognitiven Schritt von der angenommenen Selbstverständlichkeit hin zur Erwägung von Alternativen zu verhindern. 

Gelöschte Texte und Accounts verschwinden oft unbemerkt.  Denn nachdem jemandes Acoount gesperrt oder gelöscht wurde, ist ein direkter öffentlicher Protest ja nicht mehr möglich.  Das lautlose und unerklärte Verschwinden wird deshalb oft sogar als eigenes Löschen mißverstanden.  Dadurch wird das wirkliche Ausmaß von Willkür und Zensur auf Online-Plattformen verschleiert und verharmlost.   
Wenn niemand weiß, daß und wieviele andere nicht aus eigener Entscheidung verschwunden sind, sondern willkürlich gelöscht wurden, dann fehlt leider der erkennbare Grund für solidarischen Protest.    
Deshalb mache ich meinen Protest gegen die von mir erlebte Zensur öffentlich. 

Sonntag, 18. Januar 2015

55. Der Zusammenhang zwischen Fortpflanzung, Gewalt und Religion

55.  Der Zusammenhang zwischen Fortpflanzung, Gewalt und Religion
 
Gewalt ist das Durchsetzen von Eigeninteressen und Bedürfnisbefriedigung als Einzelner oder als Mitglied einer Ingroup mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegenüber anderen Wesen, die dadurch Schaden erleiden oder getötet werden.    
Gewalt kann Widerstand erzeugen und zu Kämpfen führen, oder bei Übermacht auch ohne Gegenwehr ausgeübt werden.

Gewalt hat die Evolution gefördert, besonders wenn man auch die Jagd auf Beute in obige Definition einbezieht. Bedauerlicherweise erhöht Gewalt die darwinsche Fitness.  Das ist eine nüchterne Beschreibung eines für leidende Individuen extrem grausamen Sachverhalts.  

Vor allem bei männlichen Säugetieren ist in Abhängigkeit von der Spezies Gewalt ein erfolgreiches Mittel, um
  • Zugang zur möglichst vielen fruchtbaren weiblichen Tieren zu erlangen und diese auch gegen ihren Willen zu schwängern
  • Kontrolle über möglichst viele Ressourcen für die Versorgung der Nachkommen zu erlangen, sowohl durch Wettkampf innerhalb der Ingroup als auch durch Aneignen der Ressourcen einschließlich Lebensraum von Mitgliedern der Outgroup.

Die Instinkte der Tiere sind wie ein Computer, der nur ein einziges Programm vollautomatisch ausführt.   Dieses Programm lautet: 
Gib deine Gene so oft wie möglich weiter und sorge für Bedingungen, unter denen auch Deine Nachkommen sich optimal vermehren können.   
Benutze jedes Mittel, wenn es den meisten Erfolg hat.  
Die Wahl dieser Mittel sind Unterprogramme, die je nach Spezies und Umweltbedingungen unterschiedlich sind.   Gewalt gehört zu diesen Mitteln.

 
Menschen sind ein Sonderfall.   Bei ihnen ist das gleiche Programm zwar auch vorhanden. Aber es wird nicht vollautomatisch ausgeführt.  Menschen haben ein Bewußtsein, das sie mehr oder minder gut dazu befähigt, eine Entscheidung für oder gegen die Ausführung des Programms zu treffen.    
Diese Entscheidung beruht auf der Abwägung von Nutzen und Schaden durch entweder Ausführen oder Vermeiden des Fortpflanzungsverhaltens. Menschen können Gewalt bewerten. Sie können wissen, daß Gewalt nicht nur ein Mittel zum Erfolg des Täters ist, sondern auch grausam für das Opfer.    

Die Möglichkeiten, sich wirklich frei zu entscheiden, sind aber leider oft nicht gegeben.   Denn Fortpflanzung wird sogar von denen, die den Drang dazu selbst gar nicht verspüren, oft als Selbstverständlichkeit und als alternativlose soziale Norm mißverstanden.  Diese Norm wird im Kindesalter unkritisch übernommen, einschließlich der unsinnigen Unterstellung, diejenigen, die bewußt keine Kinder wollen, wären gestört, krank, entartet.           

Die Entscheidung gegen Fortpflanzung ist deshalb immer das Ergebnis aktiven Umdenkens. Je rationaler Menschen sind, je besser ihre kognitiven Fähigkeiten entwickelt sind, desto besser können sie erkennen, daß für sie selbst als Individuen das Fortpflanzungsverhalten eine zu vermeidende Form der Selbstschädigung ist.  
Wer sich selbst nicht als Genträger wahrnimmt, sondern als Individuum, dessen Leben mit dem Tod vorbei ist, hat keinen Grund, irgend etwas für die Zeit danach zu tun.   Deshalb hat er auch keinen Grund, Lebenszeit und -qualität für die Fortpflanzung zu opfern.   

Diejenigen Menschen, die noch zusätzlich Empathie, eine gute Theory of Mind und ein Verständnis für Fairness und Gerechtigkeit haben, sind in der Lage, ihr Verhalten in Anlehnung an den Philosophen Epikur davon leiten zu lassen, Schaden und Leiden sowohl bei sich selbst als auch bei anderen zu vermeiden.   
Die Entscheidung dieser Menschen gegen Fortpflanzung beinhaltet die Entscheidung, daß Gewalt zu Gunsten der Nachfahren überflüssig ist.   

 
Bei Menschen ist Gewalt nicht wie bei den Tieren eine automatisch angewandte Methode.  Gewalt wird von einigen Menschen völlig abgelehnt.  Ansonsten wird das erlaubte Maß an Gewalt gesellschaftlich geregelt, beschränkt und kontrolliert.  Dadurch werden die eher rationalen Menschen, die sich mehr oder minder stark gegen gewaltunterstützte Fortpflanzung entschieden haben, geschützt.  Wie gut sie geschützt werden, hängt davon ab, in welcher Art von Gesellschaft sie leben.

Wer hingegen den Drang verspürt, genau wie ein Tier das Fortpflanzungsprogramm mit uneingeschränkter Gewalt auszuführen, stößt abhängig davon, in welcher Gesellschaft er lebt, an mehr oder minder klare und enge Grenzen.   

Wenn deshalb stark instinktgetriebene und gewaltbereite Männer daran gehindert wurden und werden, ihre Triebe rücksichtslos auszuleben, sind Religionen ihr Gegenmittel.  Für diesen Zweck erfanden sie Gottheiten, die fast immer in irgendeiner Form Frauen zur Fortpflanzung verpflichten und Männern jede fortpflanzungsförderliche Gewalt erlauben.   

1.  Frauen werden dazu gebracht, daran zu glauben, daß sie nach dem Tod für alle Mühsal und alles willige Erdulden belohnt werden.   Dazu gehört auch die Fortpflanzung.   Bei Verweigerung droht Strafe durch die Gottheit.

2.  Als die Religionen entstanden sind, wußte noch niemand etwas von Genen.    Wer sich zwar rational als Individuum wahrnahm, aber trotzdem diesen unerklärlichen Drang empfand, sich als Genträger und damit als Glied einer ewigen Kette zu verhalten, geriet in einen Widerspruch. Denn Genträger sind ja gerade keine Individuen, sondern nur Partikel eines übergeordneten großen, trotzdem in der beobachtbaren, erlebbaren Welt unsichtbaren und nicht nachweisbaren Ganzen.  
Die Lösung des Widerspruchs war die Erfindung einer oder vieler Gottheiten, oder auch einer kosmischen Kraft.  Welchen genauen Inhalt dieser Wahn hatte, spielte für die Erklärung einer nicht vom Tod begrenzten Ewigkeit keine Rolle.   
Diesem Gott wurde die Rolle der letztendlich für alle Leiden verantwortlichen Instanz zugeschrieben.   Dadurch konnte jeder rücksichtslos anderen alles zum Vorteil der eigenen Gene antun und brauchte sich nie schuldig zu fühlen.   Denn er konnte ja glauben, den Willen des Gottes zu erfüllen.   Damit war auch Gewaltanwendung der Wille der Gottheit.  

3. Gewalttätige Männer verhindern emotionale Paarbindungen.  Solche Männer treiben Frauen dazu, ihre Bindungsbedürfnisse ersatzweise bei den Kindern zu befriedigen.   Das erhöht die Erfolgsrate der Fortpflanzung, wenn die Frauen sich besonders stark für ihre Kinder aufopfern.

 
Deshalb ist der Kernzweck aller Religionen das Bedürfnis instinktgetriebener Menschen nach einer Rechtfertigung dafür, anderen Leid zuzufügen, ohne sich schuldig zu fühlen und ohne innere Konflikte.  

Gewaltbereite, frauenfeindliche Religionen und Ideologien sind deshalb nicht die Ursache dafür, daß friedliche, rationale Menschen brutalisiert werden.   
Es ist umgekehrt:  Diese Religionen und Ideologien sind für diejenigen geschaffen worden, die sich in ihrem gesellschaftlichen Umfeld am vollen Ausleben ihrer Instinkte in der Form von Gewalt und Frauenmißbrauch gehindert fühlen.  Sie wählen diese Religionen und Ideologien, weil sie dort die gewünschte Rechtfertigung für instinktgetriebenes Verhalten finden.  Zudem bietet ihnen diese Gruppen auch die gemeinsame Macht und Stärke, um für ihr Verhalten keine Konsequenzen befürchten zu müssen.    

Im Blogeintrag Wieso ein Monster zum Vorbild werden konnte  habe ich einen Religionsstifter beschrieben, der wegen Gewalt und Mißbrauch heute in Deutschland in Sicherungsverwahrung käme.   Für Männer, die so wie er Gewalt und Frauenunterdrückung ausleben wollen, ist er ein verehrtes Rollenmodell
Im Blogeintrag Zwischen Skylla und Charybdis habe ich verallgemeinert, warum die Rechtfertigung von Instinktverhalten und Gewalt sich auch bei rechter Naziideologie findet und nicht nur bei Religionen.  

Dienstag, 13. Januar 2015

54. Zwischen Skylla und Charybdis

54.   Zwischen Skylla und Charybdis

In meiner egalitären Weltsicht läßt sich nur der prinzipielle Anspruch auf den selben Mindestlebensstandard überall und für alle Menschen gültig rechtfertigten.

Im Augenblick bekämpfen sich in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern zwei Interessengruppen, die beide sehr bedrohlich sind.   Von beiden Gruppen wird nur für eine begrenzte Auswahl an Menschen eine hohe Lebensqualität gefordert, gerechtfertigt und so weit möglich mit allen Mitteln durchgesetzt. Die restliche Weltbevölkerung wird rücksichtslos unterdrückt, ausgebeutet und verelendet oder ist davon bedroht.
Beide Gruppen unterscheiden sich nur darin, wer zu den Privilegierten gehören darf und wer zu deren Vorteil verelendet wird oder verelendet werden darf und soll.

Gruppe 1 sind die Männer, deren Vorbild und Ideal ein Mann ist, der nach den heute in Deutschland gültigen Gesetzen als Schwerkrimineller bestraft und vermutlich in Sicherheitsverwahrung genommen würde.   Für seine Verehrer und Anhänger sind dagegen die von diesem Mann vor 1400 Jahren aufgestellten Verhaltensregeln bindend und über alle Bedenken oder Zweifel erhaben.   
Diese Männer sind die Ursache für großes Elend all der Frauen, über die sie Kontrolle haben.   Für alle anderen Frauen sind sie eine massive Bedrohung.   
Mehr über diesen Mann hier: 
Wieso ein Monster zum Vorbild werden konnte
 
Gruppe 2 sind diejenigen, die nur einer bestimmten Ingroup, beispielsweise allen eindeutig seit mehreren Generationen Deutschen, den Anspruch auf einen hohen Lebensstandard zusprechen. Alle anderen Menschen werden ohne Bedenken oder Zweifel nur als lebendige Produktionsmittel für die Erzeugung und Aufrechterhaltung dieses Lebensstandards wahrgenommen.   Sie werden rücksichtslos ausgeplündert und ausgebeutet.   
Mehr dazu hier:  
Die globalisierte Sklaverei und der Ingroup-Outgroup-Instinkt

Paradox ist dabei, daß sich gerade durch die von der Gruppe 2 gutgeheißene oder sogar geförderte Verelendung anderswo viele Menschen, darunter auch Männer der Gruppe 1, dazu getrieben fühlen, in Deutschland oder Europa das Überleben zu suchen.    Erst wird ihnen in ihren Heimatländern die Existenzgrundlage zerstört, obwohl sie gerne dort bleiben würden, und dann wird gefordert, daß sie dort bleiben sollen oder sie werden gewaltsam dorthin zurückgebracht.    

Als Frau bin ich selbst von den Männern der Gruppe 1 bedroht, vor allem, falls ich in die Länder reisen würde, wo sie Macht haben.    Bei der Gruppe 2 gehöre ich als Deutsche ohne eigenes Zutun zur Ingroup.
Das hat aber keinen Einfluß darauf, daß für mich die Ziele und Werte beider Gruppen gleich empörend und abstoßend sind.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich nicht zwischen solchen Menschen leben wollen, die sich rücksichtslos den Anspruch anmaßen, ihre eigenen Privilegien gegenüber anderen mit allen grausamen Mitteln durchzusetzen und zu verteidigen.    Ich möchte weder unter diesem Anspruch leiden noch davon unbeabsicht profitieren.

Montag, 12. Januar 2015

53. Wieso ein Monster zum Vorbild werden konnte

53.   Wieso ein Monster zum Vorbild werden konnte

1.  Beschreibung des Verhaltens

  • Sexuelle Kontakte eines Mannes mit einem neunjährigen Mädchen werden zu Recht als Mißbrauch bezeichnet.  
Eigentlich reicht das schon aus, um deutlich zu machen, daß dieser Mann, des weiteren M. genannt, sich nicht zum Vorbild eignet.   

Aber das ist noch lange nicht alles.   
  • Schon im Alter von sechs Jahren wurde dieses Kind mit ihm zwangsverheiratet.    
  • Zu diesem Zeitpunkt war M. schon verheiratet.   Seiner ersten Ehefrau wurde damit die Polygamie aufgezwungen.  
  • Seine erste Ehefrau war 15 Jahre älter als er und durch diese Heirat hatte er große materielle Vorteile.
  • Im Verlaufe seines weiteren Lebens war er dann noch mit vermutlich bis zu acht Frauen gleichzeitig verheiratet.  
  • Darüber hinaus hatte er Konkubinen und Sklavinnen unter seiner Kontrolle.  
  • M. war auch ein Krieger, von dem grausames Verhalten gegenüber Besiegten und deren Angehörigen bekannt ist. 
Ich betrachte einen solchen Mann als ein Monster.   Denn er hatte nicht nur die Macht und damit die Möglichkeit, grenzenloses Leid über andere zu bringen, er hat seine Macht auch erfolgreich dafür eingesetzt, seine egoistischen Bedürfnisse grausam, rücksichtslos und verantwortungslos auszuleben. 
Er war ganz offensichtlich selbst so sehr von der Gerechtfertigtheit seines Tuns überzeugt, daß er sich nicht nur in seinem eigenen Verhalten von seinen tierischen Trieben hat hemmungslos leiten lassen.  Aus diesem Verhalten leitete er sogar religiöse Vorschriften für das Verhalten anderer Männer ab.

2.  Die Erfindung des Gottes

Männer wie M. hat es im Verlaufe der Geschichte sicherlich sehr viele gegeben, die meisten sind vergessen worden.   M. hingegen hat langfristigen Schaden angerichtet.  Ihm gelang es, seinen rationalen Verstand als Werkzeug einzusetzen, um dadurch mehr Erfolg bei der Durchsetzung seiner Triebe zu haben.   

M. erfand einen Gott.   Dieser Gott hatte dabei mehrere Funktionen:
  • Sein Gott hatte ihm angeblich sein Verhalten befohlen und deshalb konnte M. diesen Gott für sein Verhalten verantwortwortlich machen.   Insoweit M. fähig war, Empathie für seine Opfer zu empfinden, oder die unmißverständlichen äußerlichen Zeichen von deren Leiden wahrzunehmen, war das trotzdem für ihn selbst kein Grund, sein eigenes Verhalten zu ändern.   Was sein Gott zuließ, das schrieb er diesem als dessen Wille zu. Wegen der angeblichen göttlichen Unfehlbarkeit konnte auch das angeblich gottgewollte Leiden von M.s Opfern nur richtig sein.  
    M. folgte also rücksichtslos seinen tierischen Instinkten, glaubte aber, diese wären gottgewollt.   
  • M. beanspruchte das ungehemmte Triebausleben nicht als persönliches Privileg, er erklärte es vielmehr als das Recht aller Männer.  Das machte es einfach, viele Männern als Anhänger für diese Religion zu gewinnen. 
    Wer selbst hemmungslos pädophil und polygam sein durfte und es deshalb oft auch war, und wer dabei das Leiden der Opfer nicht erkennen wollte, dem fehlte ein ausreichender Grund, ihren eigenen Töchter und Schwestern dieses Elend zu ersparen. 
  • Die Furcht der Frauen vor einem strafenden Gott vereinfachte die männliche Machtausübung.  Zwar reichte allein die körperliche Überlegenheit der meisten Männer schon aus, um auch unwilligen Frauen die rücksichtslose Triebbefriedigung  aufzuzwingen. Für manche war die erste Unterwerfung einer Frau sogar ein Erfolgserlebnis der Machtausübung.  Aber für viele Männer war eine sich widersetzende und sich sträubende Frau weit weniger angenehm als ein aus Angst vor der Strafe Gottes sich willig und demütig unterordnendes Opfer.          
M. hat vor ca. 1400 Jahren gelebt.    Aber er ist bis heute für Millionen Männer ein Vorbild.    Dafür gibt es eine Erklärung.

3.   Evolutionäre Erklärung

Im Sinne Darwins sind die Tiere am fittesten, die die meisten Nachkommen haben und deren Gene sich am stärksten verbreiten.   Dabei ist das subjektive Erleben der Opfer immer dann kein Einflußfaktor, wenn es keine Auswirkung auf den Fortpflanzungserfolg hat, weil die Opfer keine Möglichkeit haben, Leiden und Schaden zu vermeiden.    
Opfer sind dabei nicht nur die Frauen, die gegen ihren Willen geschwängert werden.   Opfer sind auch all diejenigen, die mit Gewalt an der Fortpflanzung gehindert werden, entweder direkt durch Tötung, oder indirekt durch erzwungenen Mangel an Ressourcen.   
M. ist das Paradebeispiel für den Aspekt darwinscher Fitness, bei dem es um ungehindertes und uneingeschränktes Fortpflanzungsverhalten geht.  

Diese Fitness ist aber lediglich eine Beschreibung einer Verhaltensdisposition. Für Menschen, deren Verstand es ihnen ermöglicht, individuelles Wohlergehen als Wert zu erkennen, ist das Vermeiden von Leiden ein höheres Ziel als die Fortpflanzung. Deshalb ist diese Verhaltensdisposition nicht automatisch auch akzeptabel.   Sie ist vielmehr oft eine zu bekämpfende Bedrohung.    

Das vom Fortpflanzungsinstinkt bereitgestellte Verhaltensmuster führt, falls es keinerlei Hindernisse gibt, zu solchem Verhalten, wie das von M.  Hindernisse können beim Menschen entweder extern sein, also legale und soziale Grenzen, oder aber kulturelle und vor allem auch mentale Bedürfnisse.   Immerhin gibt es eine Minderheit von Menschen, die zwar starke Bedürnisse nach kognitiv-emotionalen, monogamen Bindungen haben, aber keine oder nur eine nachrangige nach Fortpflanzung.  
M. ist deshalb ein Prototyp von jemand, der die Möglichkeit hatte, im Sinne der darwinschen Fitness alle instinktiven Triebe ungehindert auszuleben, sowohl direkt beim Fortpflanzungsverhalten als auch bei der Grausamkeit im Kampf um Ressourcen und gegen andere Männer.   Ein Ideal ist sein Leben für diejenigen Männer, die ähnlich wie M. von Trieben bestimmt sind.

4.  M. als Vorbild für heutige Männer

Für diejenigen Männer, die M. als Vorbild verehren, ist er viel mehr als nur ein Vordenker.  Er ist die personifiziere und vorgelebte Rechtfertigung für jede Form von rücksichtslosem Ausleben von Instinkten.    

Die heutigen Anhänger und Verehrer von M. sind Männer, die sich nur äußerlich und gezwungenermaßen den Gesetzen und Regelungen der aktuellen Lebensbedingungen in ihren Wohnländern unterwerfen. Sie betrachten diese ihnen auferlegten Verhaltensbeschränkungen nicht als für alle Menschen faire Regeln für ein friedliches Zusammenleben.    Daß sie daran gehindert werden, so zu leben, wie M. es ihnen vorgelebt hat, erleben sie als Beeinträchtigung.  Sie sind nicht in der Lage, das durchzusetzen, was sie beanspruchen.  Je mehr vor allem die Gleichstellung von Frauen gesetzlich geregelt ist, desto mehr fühlen sie sich um ihr angebliches Geburtsrecht auf ungehinderte Triebbefriediung betrogen.  

M. als Vorbild und als Sprachrohr eines sein Verhalten vorschreibenden Gottes gibt seinen Anhängern etwas extrem wertvolles:  Sie fühlen sich berechtigt, sich so zu verhalten wie er, wann immer und inwieweit sie es durchsetzen können oder keine Konsequenzen zu befürchten haben.   Ihr Verhalten wird nur durch äußere Hindernisse beschränkt, nie durch Rücksicht auf Opfer.   Diese Rücksicht gab es im Leben des M. ja auch nicht.   

Für M. war diese Rücksicht keine Option, weil er vor immerhin 1400 Jahren unter anderen gesellschaftlichen Bedinungen lebte.   Je weniger jemand gebildet und rational ist, desto weniger inneren Abstand hat er von seiner tierischen Verhaltensdispositionen, desto selbstverständlicher erlebt er diese, desto wenige kommt es ihm in den Sinn, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen.   
Vermutlich erlag damals jemand leichter dem Irrtum, daß Frauen angeblich nur als Objekte für die männliche Triebbefriedigung existieren, weil nahezu alle Männer das in Ordnung fanden und sich viele entsprechend verhielten.  Das erschwerte es, die Leiden der Opfer wahrzunehmen und nicht zu unterschätzen.   

5.  Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensalternativen

Wer heute lebt und den allgegenwärtigen Medien ausgesetzt ist, der kann fast überall auf der Welt nicht völlig vermeiden, mit der Denkalternative konfrontiert zu werden, daß Frauen Verhalten wie das eines M. nicht freiwillig wählen und leiden, falls es ihnen aufgezwungen wird.    
Sobald ein Mann das zur Kenntnis nimmt oder sogar anerkennt, muß er sich von da an bewußt für eine der Verhaltensalternativen entscheiden. Denn wer wissentlich und aufgrund einer freien Entscheidung anderen Menschen Leid zufügt, gerät in erhebliche psychische Konflikte, es sei denn, er ist ein Psychopath.
  • Wer Frauen als gleichwertige, gleichberechtigte Menschen ansieht und ihnen den Anspruch auf Rücksicht, Respekt und Schonung zubilligt, der kann das Verhalten von M. nur entschieden ablehnen.   Er bekämpft alle seine eigenen Instinkte, die Schaden und Leid verursachen würden.
  • Wer aber von starken Trieben bestimmt wird und sich deshalb nicht durch das Leiden der Opfer am rücksichtslosen Ausleben hindern lassen möchte, der braucht dafür einen starken Rechtfertigungsgrund. 
    Die Kombination aus einem abstrakten Gott und einem ihr Wunschverhalten vorlebenden M., der mit göttlicher Autorität zum Verhaltensvorbild bestimmt wurde, erfüllt diesen Zweck seit 1400 Jahren mit großem Erfolg.  
 6.   Frauen

Daß Männer sich gerne so verhalten wie M., läßt sich mit der darwinschen Fitness gut erklären. In die Frauen, die ein Monster wie M. verehren, kann ich mich nicht hineinversetzen.  Aber es gibt wohl auch dazu eine, wenn auch weniger überzeugende Erklärung.
Wenn bei Frauen dreierlei zusammenkommt, dann könnten Frauen sich so ausschließlich mit ihrem Nachwuchs verbunden fühlen, daß es ihnen völlig gleichgültig ist, wer der Mann ist, von dem sie zwar möglichst viele materielle Vorteile bekommen aber mit dem sie gleichzeitig möglichst wenig Umgang haben möchten.     
  • Sie haben selbst einen sehr stark ausgeprägten Fortpflanzunginstinkt, den sie als Kinderwunsch und als Erfüllung in der Aufzucht erleben
  • Sie haben sehr wenig formale Bildung und sie haben keine Vergleichsmöglichkeit.  Sie kennen nichts, was für sie interssanter wäre als die Beschäftigung mit ihren Kindern.  Das ihr Lebensinhalt und sie wünschen sich deshalb nichts anderes. 
  • Ihre Erziehung fand statt in einer Kultur, in der Hilflosigkeit und Unterwerfung unter unvermeidliche Gewalt zu früh verinnerlichter Dozilität und Resignation geführt hat.  Das wird zusätzlich verstärkt, wenn die Angst vor einem strafenden Gott Erdulden als einzige Option erscheinen läßt. 
7.  Die Verteidigung eines Denkfehlers
Wer M. kritisiert oder lächerlich macht, der bedroht also viel mehr als nur eine absurde Figur aus einer überflüssigen Religion.  Das Verhalten von M. eignet sich je mehr als Rechtfertigung für das eigene triebhafte Verhalten und die Grausamkeit gegenüber den Opfern, je höher und entrückter M. jenseits von allen Zweifeln, als absolute Verhaltensinstanz wahrgenommen werden kann.   
Wer mit Karikaturen M. von seinem Podest holt, der tut viel mehr als nur das.   Er bedroht die unangezweifelte Rechtfertigung für all das, was im Namen von M. und von dessen Gott an Leid, an Qualen, an Schaden zugefügt wird.    
Der Haß der Anhänger von M. richtet sich gegen die Bedrohung, den Denkfehler zu verlieren, der sie bisher in die Lage versetzt, gleichzeitig hemmungslos ihre Triebe zu befriedigen und sich trotzdem als gottesfürchtige Gutmenschen zu fühlen.   Bei der Verteidigung dieses Denkfehlers schrecken sie vor nichts zurück.