Dienstag, 16. September 2014

21. Ein wirklich menschlicher Mann

21.  Ein wirklich menschlicher Mann

Mir hat mal jemand in einer Email erzählt, daß er aus Interesse für Kunst und Kultur seinen Urlaub in Thailand verbracht hat.   Dort im Hotel wurde ihm von einer Frau der bezahlte Selbstmißbrauch angeboten.   Er hat sie zwar auf sein Zimmer mitgenommen, aber er hat ihr Geld gegeben ohne sie anzurühren.   Stattdessen hat er ihr zugehört und sich über ihr grausames Schicksal informiert.   Dadurch hat er erfahren, daß sie sich selbstlos und heroisch aufgeopfert und den bezahlten Mißbrauch ertragen hat, um ihre Familie vor Hunger und noch größerem Elend zu bewahren.   Er hat sie als leidenden Menschen behandelt und nicht als Objekt benutzt.

Die Menschlichkeit dieses Mannes, der die Not einer Frau nicht für die Befriedigung tierischer Triebe ausgenutzt hat, hat meine Hochachtung.   Solche Männer sollte es mehr geben.

Was jemand in einer Email schreibt, kann wahr sein oder gelogen.   Aber manches erscheint deshalb plausibel, weil es als Lüge die Vorstellungskraft des Schreibers überfordern würde.    Für ein triebgesteuertes Tier wäre die Alternative, die Frau nicht zu mißbrauchen, eine undenkbare Option.   Deshalb käme es ihm auch nicht in den Sinn, eine solche Geschichte zu erfinden, um damit die für ihn bedeutungslose Sympathie und Achtung einer Frau zu gewinnen.    

Je länger ich im Internet unterwegs bin, desto mehr gewinne ich den Eindruck, daß die meisten Männer mehr tierisch als menschlich sind und daß es deshalb sehr mühsam ist, einen kopfgesteuerten, nicht triebhaften  Mann als Partner zu finden.  
Aber dann rufe ich mir die Schilderung dieses Mannes ins Gedächtnis und das hilft dabei, meine Suche nach einem menschlichen Mann niemals als aussichtslos aufzugeben.

Samstag, 6. September 2014

20. Die unsichtbaren Männer

20. Die unsichtbaren Männer

Eine definierende Eigenschaft von Standardmenschen sind ihre deutlich ausgeprägten, die Arterhaltung ermöglichenden Verhaltenstendenzen.   Ihr Grund für die Paarung und die Kriterien der Partnerwahl dienen direkt oder indirekt der Fortpflanzung.
Entsprechend sind Unterschiede der Geschlechterrollen und der davon abgeleiteten Interessen sehr ausgeprägt und deutlich.   Den biologischen Unterschieden entsprechend zielen die Interessen auf unterschiedliche Weise darauf, für das andere Geschlecht körperlich attraktiv zu sein.  
Bei Standardfrauen sind das Mode und Kosmetik, Kochen und Haushalt, Kinder, bei den Standardmännern Sport, Fitness, Wettkampf, technische und andere Statussymbole.    Diese Interessen haben den Effekt, daß Standardfrauen und Standardmänner sehr getrennte Lebensbereiche haben.  
Zwar gibt es auch einige geschlechtsneutrale Hobbies und Interessen, aber die reichen bei Standardmenschen nicht aus für tiefe nichtkörperliche Bindungen.
 
Deshalb verlieren viele alleinstehende Standardmenschen ab einem bestimmten Alter unter bestimmten Voraussetzungen das Interesse daran, neue Paarbindungen einzugehen.   Wenn die Kinder der Standardfrauen das Nest verlassen haben, teilen sie die Standardinteressen am liebsten mit anderen Standardfrauen, wenn bei den Standardmännern der Trieb nachläßt, teilen sie die Standardinteressen am ehesten mit anderen Standardmännern.  


Unter den Nichtstandardmenschen gibt es eine Minderheit, bei der die Situation bei der Partnerwahl sehr asymmetrisch ist.    Das sind Menschen mit hoher Bildung, deren überwiegende Interessengebiete wie Kultur, Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Technik geschlechtsneutral sind und bei denen deshalb die Unterschiede zwischen den Geschlechterrollen weit weniger ausgeprägt sind.   Je höher die Bildung, desto wichtiger sind die geschlechtsneutralen Interessen für die Paarbindung.   Genauer gesagt, desto wichtiger könnten sie sein, würden nicht Traditionen und soziale Normen dem entgegenstehen und das behindern.

Historisch gesehen war es immer so, daß der Zugang zu Bildung, Wissen, Ausbildung mehr oder minder stark den Männern vorbehalten und den Frauen verschlossen war.    Dieser Unterschied ist auch in meiner Generation noch deutlich:
In der Altersgruppe 60 bis 65 haben von den Männern 20,2 % und von den Frauen 10,1 % studiert, in der Altersgruppe 65 und älter sind es 15,9 % der Männer und 4,9 % der Frauen.  
http://www.bildungsbericht.de/daten2012/bb_2012.pdf
Für gebildete Männer gab und gibt es deshalb nicht ausreichend gebildete und rational denkende Partnerinnen, vor allem solche mit Interesse an Wissenschaft und Technik.    

Deshalb und erleichtert durch die männliche Prädisposition dazu, ihre Triebe selbst ohne nichtkörperliche Bindungen ausleben zu müssen, hat sich bei Männern die Tradition der zweigeteilten Bedürfnisorientierung entwickelt.   Frauen wurden auf ihren Körper reduziert, und dafür begnügten sich auch gebildete Männer mit einer Standardfrau.    Ihre kognitiven Belange und intellektuellen Bedürfnisse pflegten und betrieben sie in der Freundschaft und Zusammenarbeit mit anderen Männern.   

Da die kognitiven Fähigkeiten von Frauen aber nicht geringer sind als die der Männer, wenn Frauen den gleichen Zugang zu Bildung haben, ist das eine Tradition, die nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer Nachteile bringt.  
Wenn jemand aufgrund seiner kognitiven Bedürfnisse solche Interessen oft und intensiv teilen möchte, dann können auch die Gemeinsamkeiten in diesem Bereich allein schon ausreichen als Grund, eine Paarbeziehung einzugehen. Bei diesen Menschen sind die körperlichen Aspekte einer Beziehung nebensächlich.   

Viele der gebildeten Nichtstandardfrauen haben solche Prioritäten, während selbst bei den gebildeten Nichtstandardmännern die Tradition noch immer so stark wirkt, daß sie eine Beziehung mit einer Frau nur solange als erstrebenswert erachten, wie dabei Triebbefriedigung im Vordergrund steht.    
Daß eine sapiophile Beziehung mit dem Schwerpunkt auf intellektueller und emotionaler Intimität zwischen gebildeten Menschen auch für einen Mann beglückend sein kann, widerspricht der Tradition und sozialen Norm.   Auf die Idee, daß eine Beziehung mit einer Frau auch dann erstrebenswert sein kann, wenn das nicht mehr oder nur in geringem Ausmaß auf der Triebbefriedigung beruht, kommen diese Männer oft gar nicht, das können sie sich nicht einmal vorstellen.  Daß es mit der Minderheit der gebildeten Frauen auch integrale, ganzheitliche Beziehungen geben kann, das ist im Bewußtsein vieler Männer noch immer nicht angekommen.  

Zudem überschätzen und mißverstehen viele Männer die körperlichen Erwartungen und Ansprüche der Frauen, während sie die Bedeutung der kognitiven Fähigkeiten unterschätzen, nicht wahrnehmen und das Glück intellektueller Nähe nicht zu schätzen wissen.    Das bedeutet, daß Männer, deren Triebe nachlassen, sich oft von der Partnersuche nur deshalb zurückziehen, weil sie befürchten, daß sie deshalb von Frauen abgelehnt würden.  
Es ist tragisch, daß selbst gebildete Nichtstandardmänner keine Ahnung zu haben scheinen, welchen Wert sie für Nichtstandardfrauen haben können, gerade weil sie nicht dem körperorientierten Standard entsprechen. 

Das hat Auswirkungen auf die Partnersuche im Alter.   

Sobald die Triebe nachlassen, sehen solche Männer subjektiv leider keinen Grund mehr, nach einer Partnerin zu suchen. Diese Männer erleben subjektiv keinen Verlust an intellektueller Lebensqualität, da sie sich für diese Bedürfnisse ja schon immer anderen Männern zugewandt hatten.  Dieser Effekt wird nicht davon beeinflußt, daß sich die Situation durch die unterschiedliche Lebenserwartung verschiebt.   
In der Altersgruppe 60 bis 70 sind 51,3% weiblich und 48,7% männlich.  
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Bevoelkerung/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII3.pdf
Das bedeutet, daß zwar relativ ein Frauenüberschuß besteht, während absolut die Zahl der studierten Frauen je studiertem Mann erhöht ist. 

  
Für gebildete Nichtstandardfrauen ist die Situation im Alter hingegen völlig anders.    Der Umgang mit Standardfrauen ist für sie in jedem Alter oft unbefriedigend, weil sie deren Standardinteressen nicht teilen.    Für sie gibt es weit mehr Männer als Frauen, mit denen es intellektuelle Gemeinsamkeiten gibt.   Für eine solche Frau ändert sich im Alter nichts, ihr zentrales Bedürfnis in einer Beziehung ist immer die intellektuelle Nähe und Gemeinsamkeit, die Gleichgesinntheit.  

 
Ich bin eine solche sapiophile, kopfgesteuerte Frau, die einen ebensolchen Partner sucht.   Wenn ich die Profile auf Partnerportalen ansehe, habe ich den Eindruck, daß die von mir gesuchten, als Partner geeigneten Männer immer unsichtbarer werden.  Je stärker die Triebe, desto aktiver scheinen die Männer zu suchen.   
Hingegen scheinen fast alle Männer irgendwo im Verborgenen zu verschwinden, sobald ihre Triebe nachlassen.   Dann sitzen sie irgendwo dort, wo ich sie nicht finden kann und sie suchen auch nicht nach mir.   Der Platz in ihrem Leben für den intellektuellen Austausch, den ich als wichtigsten Bestandteil einer Beziehung suche, der ist bei ihnen schon gegenseitig oder mit anderen, gebildeten Männern in Beziehungen mit Standardfrauen besetzt.

Es ist wirklich sehr tragisch.  Genau dann, wenn das übelste im Mann, die Triebsteuerung, endlich nachläßt und wenn Männer am wertvollsten werden für eine sapiophile Frau, genau dann werden sie unsichtbar und unauffindbar.   

Dienstag, 2. September 2014

19. Kognitive Übereinstimmung als Quelle von Freude und als Ursache von kopfgesteuerten Glücksgefühlen in einer Paarbeziehung

19.  Kognitive Übereinstimmung als Quelle von Freude und als Ursache von kopfgesteuerten Glücksgefühlen in einer Paarbeziehung

Viele Menschen empfinden die Harmonie mit ihren Mitmenschen, die durch Gleichklang und Einigkeit entsteht, als wohltuend.  

Wer als Standardmensch die Identität mit der Mehrheit in seinem Umfeld teilt, für den ist diese Harmonie der Gleichgesinntheit in ausreichendem Maß im Alltag erlebbar.   Identität bedeutet in diesem Zusammenhang die auf dem individuellen Ausmaß an Instinktivität begründete Bedürfnisstruktur und die davon abgeleiteten Verhaltenstendenzen, Präferenzen, Werte, Überzeugungen, Meinungen und Ansichten.  
Diese Harmonie durch Übereinstimmung gehört auch zu den Bereichen des Lebens, die oft nicht mehr geschätzt werden, wenn und weil man sich daran gewöhnt haben, diese als selbstverständlich hinzunehmen.  

Zur Identität von Standardmenschen gehört auch der Hierarchieinstinkt, also der Antrieb, durch Konkurrenzkampf eine höhere Position zu erlangen, indem andere nach unten gedrückt werden. Deshalb sind viele Standardmenschen streitsüchtig und auf der aktiven Suche nach Auseinandersetzungen und Kontroversen.  Ihre Wahrnehmung ist gezielt für möglichen Antagonismus geschärft.  Streitsüchtige freuen sich über als Triumph erlebte vermeintliche oder echte Siege in Machtkämpfen, auch verbalen. In der Mehrheit fühlen sie so sicher aufgehoben, daß sie Andersdenkende automatisch als willkommene Ziele für ihre Aggressionen wahrnehmen und behandeln, als Watschnpersonen oder sogar als gemeinschaftsstärkende Underdogs.   Manchmal scheint es, daß sie dies als willkommene Abwechslung zu der allgemeinen alltäglichen Übereinstimmung erleben.  

Für Nichtstandardmenschen, die aufgrund ihrer Identität zu einer Minderheit gehören, ist der Alltag ein Leben ohne diese Harmonie.   Man ist von Andersdenkenden umgeben, man erkennt und fühlt den unüberbrückbaren Graben zwischen ihnen und sich selbst.    Man kann sein Anderssein verbergen, dann hat man eine Art von Pseudoharmonie, oder man kann seine Meinung sagen und wird zur Zielscheibe von Antagonismus und Gehässigkeit.   

Wer sich dann auch noch die Meinung der Standardmenschen zu eigen macht, leidet darunter, daß er sich selbst nicht annimmt und gerne anders sein möchte als er ist.   Damit ist ihm leider das Erlebnis der wohltuenden Übereinstimmung generell verschlossen.

Wer sich hingegen selbst so akzeptiert, wie er ist, für den ist die Freude der Übereinstimmung zwar möglich, aber leider ein sehr seltenes Ereignis. Solche Nichtstandardmenschen wünschen sich überhaupt nicht, wie die Mehrheit zu sein.  Hingegen sehnen sie sich nach einer Welt oder einer Lebenssituation zwischen und mit Gleichgesinnten statt Andersdenkenden. 
Zu dieser Art von Nichtstandardmenschen gehöre ich.  So wie ich bin, fühle ich mich wohl.  Aber mir fehlt ein Umfeld von Menschen, die mir ähnlich sind.  Ich habe nicht den geringsten Wunsch, wie die Mehrheit zu sein.  
Im Gegenteil, ich habe die Andersdenkenden um mich herum gründlich satt. Ratschläge von Standardmenschen, die für Standardmenschen sinnvoll sein mögen, weil sie auf Grund der Erfahrungen von Standardmenschen untereinander beruhen, die passen nun einmal nicht für mich, selbst dann nicht, wenn ich sie in häufiger Wiederholung hören muß.  
Egal wie aggressiv und gehässig jemand ist, ich bin nun einmal kein fehlerhafter Standardmensch, der solange verbal geprügelt werden muß, bis er seinen Platz ganz unten in der Hierarchie einnimmt.   Mein Platz ist nicht in einer solchen Hierarchie. 
Gegen diese und manche anderen Denk- und Verhaltensweisen, die für die Mehrheit der Standardmenschen selbstverständlich sind, empfinde ich inzwischen Widerwillen und Überdruß.   Im Alter von 65 habe zu viele Absurditäten schon zu oft gehört und erlebt.

Ein Beispiel ist der allgegenwärtige Glaube an Gott, Astrologie, Homöopathie und dergleichen.   Wer an Gott glaubt, der braucht nur in den Gottesdienst zu gehen, wer an Astrologie glaubt, findet überall Horoskope und der Homöopathiegläubige ist in der nächsten Apotheke in guter Gesellschaft.  
Aber Menschen, die so skeptisch und apistisch sind, daß sie das alles als Schwachsinn erkennen und das auch deutliche sagen, denen begegne ich fast nie.    Die nächste Gruppe von Skeptikern ist so weit entfernt, daß ich an deren Treffen nicht teilnehmen kann.    
Als ich mit 17 aus der Kirche ausgetreten bin, war das zunächst ein Moment der Erleichterung und der Befreiung, aus dieser kindlichen Verdummung herausgewachsen zu sein.   Aber wenn man die so grenzenlos dummen und absurden religiösen Behauptungen ein Leben lang immer wieder hört, wird man irgendwann davon genervt.   

 
Es ist eine auf Ahnungslosigkeit beruhende Falschannahme, kopfgesteuerte Menschen hätten keine Gefühle.   Auch kopfgesteuerte Menschen können sehr starke Gefühle haben, nur entstehen die Gefühle kopfgesteuerter Menschen anders, nämlich vorwiegend rational, kognitiv und intellektuell.    

Für mich ist es jedesmal wie ein wärmender Sonnenstrahl in der alltäglichen Kälte der kognitiven und intellektuellen Einsamkeit, wenn jemand etwas äußert, dem ich spontan zustimmen kann, weil ich es auch selbst hätte gesagt oder geschrieben haben können.   So etwas sind wertvolle Momente im Leben.   Je wichtiger und näher mir Menschen sind, desto größer ist diese Freude.   Bei jemandem, der sich in jeder Hinsicht zum Lebenspartner eignet, erzeugt es für mich sogar ein Glücksgefühl, wenn er das ausspricht, was ich auch selbst denke.  
Für mich sind emotionale und intellektuelle Nähe und Intimität die Grundsteine für das Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Beziehung.   Übereinstimmung und Einigkeit schafft Nähe, und Nähe erzeugt Glücksgefühle.

Dabei möchte ich selbstverständlich nicht, daß mir jemand nach dem Mund redet.  Es geht um die wechselseitige, echte, innere Zustimmung.  Mir wäre es außerdem auch viel zu mühsam, jemanden von etwas überzeugen, was er nicht schon selbst aus eigenem Antrieb oder Interesse erkannt hat. Ich hätte beispielsweise nicht den geringsten Wunsch, jemandem, der das nicht schon von selbst erkannt hat, mühsam zu der Erkenntnis zu verhelfen, daß der Glaube an einen Gott unsinnig ist.    Wer in meiner Altersgruppe immer noch an dergleichen glaubt, dessen Gehirn ist höchstwahrscheinlich unfähig für Apistia.    Wer in meiner Altersgruppe im Augenblick des Kennenlernens anders denkt als ich, mit dem ist das Glücksgefühl der Übereinstimmung nicht möglich und damit eignet er sich nicht als Partner. 

Standardmenschen glauben oft, nur kontroverse verbale Machtkämpfe würden zum Lernen beitragen, weil jeder, der glaubt recht zu haben, sich auch zu Bemühungen berechtigt fühlt, den anderen mit scheinbar oder oberflächlich besseren Argumenten zur Unterwerfung unter seine Meinung zu zwingen.    
Aber eine gemeinsame Basis des Denkens bedeutet nicht Stillstand.  Man muß nicht unterschiedlicher Meinung sein, um miteinander zu lernen.  Man kann auch von einer gemeinsamen und übereinstimmenden Ausgangsbasis aus kooperativ und arbeitsteilig neue Informationen, neue Aspekte und neue Blickwinkel erarbeiten und sich ohne unterschiedliche Ansichten gemeinsam weiterentwickeln. 

Standardmenschen bekommen ihre wohltuende Übereinstimmung im Alltag miteinander.   Deshalb ist für sie der Fortpflanzungsinstinkt der Hauptantrieb bei der Partnerwahl.    
Ich dagegen suche das Glücksgefühl in der Übereinstimmung mit einem Partner.  

Sonntag, 31. August 2014

18. Alpha-Männer und die evolutionäre Käuflichkeit von Frauen

18.  Alpha-Männer und die evolutionäre Käuflichkeit von Frauen

Ich habe auf vielen Partnersuchportalen ein Profil.   Bei einem davon habe ich später bemerkt, daß es sich bei dem Portal nicht einfach nur um eine Seite für die ernsthafte Partnersuche handelt.   Vielmehr war das nur der zweite Name für eine Seite, deren Zielgruppe sehr reiche Männer sind.   

Zunächst wollte ich mein Profil wieder löschen.    An eines Mannes Geld bin ich nicht interessiert.   Ein Partner in bescheidenen materiellen Umständen würde am besten zu mir passen.    Am wohlsten fühle ich mich bei einem frugalen Lebensstil.    Ich ziehe jede einfache Herberge einem Luxushotel vor, ich mache lieber Picknick mit Proviant aus dem Supermarkt, als daß ich in einem Luxusrestaurant essen möchte. 

Die wahrscheinlichen Konflikte mit einem wohlhabenden Mann möchte ich mir möglichst ersparen.   Ich möchte mich nicht wie eine Bettlerin fühlen, würde ich seinen Bedürfnissen entsprechend auf seine Kosten an seinem hohen Lebensstandard teilhaben.   Aber ich hätte auch andererseits nicht das Recht, von ihm Verzicht auf die Annehmlichkeiten seines gewohnten Luxuslebensstandardes zu verzichten.  

Um wirklich unabhängig von materiellen Erwägungen zu sein, darf ich mich davon nicht beeinflussen lassen.   Zwar initiiere ich selbst keinen Kontakt mit Männern, die sich irgendwo als reich präsentieren.   Aber andererseits ist Reichtum allein kein ausreichender Grund, einen gebildeten und intelligenten Mann von meiner Suche auszuschließen.     

Ich war neugierig genug, mir die Profile anzusehen.    Ich habe auch ein Profil auf einem anderen Portal des selben Betreibers mit der selben Software, aber für Senioren in beliebiger finanzieller Situation.   
Ein Vergleich ergab als bemerkenswertes Ergebnis eine sehr deutliche Differenz zwischen den beiden Portalen bezüglich des akzeptierten Alters der Wunschpartnerin.   
Auf dem Portal für Senioren ist mein Alter oft innerhalb der akzeptierten Vorgaben, für die meisten der reichen Männer bin ich zu alt.  

Diese eher vage Beobachtung hat mich so neugierig gemacht, daß ich diesen Unterschied etwas exakter untersuchen wollte.  
Deshalb habe ich auf beiden Portalen eine Suche nach gleichaltrigen, also 65-jährigen Männern gestartet.   Ich hatte die Suche zwar nicht geographisch beschränkt, aber da es sich um englischsprachige Portale handelt, waren die meisten Profile aus den USA.    
Die Altersanforderungen der jeweils ersten 50 Profile aus beiden Portalen habe ich in eine Kalkulationstabelle übertragen.    

Ergebnis:  
Die reichen Männer suchen Frauen, die im Durchschnitt zwischen 22,98 und 5,14 Jahren jünger waren als sie selbst.    Die Männer mit beliebiger finanzieller Situation suchen hingegen Frauen zwischen 15,3 Jahren jünger und 2,98 Jahren älter. 

Selbstverständlich können hier sehr viele mir unbekannte und unberücksichtigte Faktoren zu diesem Unterschied beitragen.    Aber die Differenz erscheint trotzdem so drastisch, daß das viele Fragen aufwirft, auf die ich gerne eine Antwort wüßte.  
  • Sind Männer, die sich auf einem Portal für Reiche eintragen, überhaupt repräsentativ für alle reichen Männer?
  • Fühlen sich diese Männer besonders stark als Alphamänner, die meinen, Anspruch darauf zu haben, alles zu kaufen, was sie wollen?   
  • Erwarten sie auf einem solchen Portal, daß dieser Anspruch hier anerkannt wird, nachdem sie damit anderswo gescheitert waren?
  • Ist die ausgedrückte Präferenz nur ein Wunsch oder beruht das auf der Erfahrung, schon bei wesentlich jüngeren Frauen Erfolg gehabt zu haben?

Beim googlen fand ich diese Informationen:   

Bei Erstheiraten in den USA beträgt der Altersunterschied in der allgemeinen Bevölkerung 4,1 Jahre, bei Männern auf der Forbes-Liste 7,01 Jahre.    Bei der Wiederheirat sehr reicher Männer sind die Frauen im Durchschnitt 22,32 Jahre jünger.

http://www.psychologytoday.com/blog/homo-consumericus/201306/very-wealthy-men-marry-much-younger-women

 
Offensichtlich spiegeln also diese Wünsche in einem für mich nicht erkennbaren Ausmaß die tatsächlich vorhandene Macht der evolutionären Instinkte auf das Verhalten und die Partnerwahl wieder.  

Rationale, kognitiv gesteuerte, intellektuell interessierte und gebildete Männer sind in der Lage, die immateriellen Qualitäten einer gleichaltrigen und gleichgesinnten Partnerin zu schätzen.    
Solche Männer wollen keine Alphamänner sein, solche Frauen finden Alphamänner abstoßend.   

Dagegen ist es für instinktgetriebene Männer ein erstrebenswertes Ziel, Alphamänner zu sein, selbst wenn sie das nicht mehr über die Muskeln, sondern über das Bankkonto zu erreichen versuchen.   Instinktgetriebene Frauen sind dumm genug, sich von diesen Alphamännern kaufen zu lassen und anschließend unter den unvermeidlichen Nachteilen zu leiden.  

Mittwoch, 27. August 2014

17. Mein Wunsch: Ein technisches Hilfsmittel für die kopfgesteuerte Partnersuche im Offline-Leben

17.   Mein Wunsch: Ein technisches Hilfsmittel für die kopfgesteuerte Partnersuche im Offline-Leben

Diejenigen, deren Partnersuche überwiegend körperorientiert ist, haben es im echten Leben einfach.   Das, was ihnen am wichtigsten ist, ist auch bei Fremden sichtbar.   Sie brauchen die Entscheidung, mit wem sie Kontakt wünschen und aufnehmen, nicht aktiv, überlegt und bewußt zu treffen.   Das tun ihre instinktiven Reaktionen schon automatisch.   Sie können es einfach ihren Instinkten überlassen, von welchem Körper sie sich angezogen fühlen.    Unsichtbare Qualitäten sind dabei unwichtig oder zumindestens nachrangig.  

Für gehirnorientierte Menschen ist die Partnersuche im echten Leben hingegen schwierig.   Nahezu alle für eine kopforientierte Partnersuche wichtigen Informationen sind unsichtbar.   Niemand, dem man auf der Straße, im Bus oder im Supermarkt begegnet, hat ein Profil auf dem Rücken.    Es wäre immerhin noch theoretisch möglich, ein Profil in Form eines für alle sichtbaren Plakates zu tragen.  Hingegen sind Profile, die zwar direkt für menschliche Augen sichtbar sind, aber trotzdem selektiv nur für diejenigen, die angesprochen werden sollen, nach meinem Kenntnisstand technisch nicht realisierbar.    


Beim heutigen Stand der Elektronik wäre eine technische Lösung problemlos und vermutlich auch kostengünstig möglich. 
Diese Lösung wäre ein selektives Partnererkennungsgerät (SPEG).   Zwei SPEG würden im Nahbereich Signale austauschen, z. B. über Bluetooth.   Ein SPEG könnte entweder ein eigenständiges Gerät sein oder in Handys integriert werden.    Die in dem Gerät enthaltene ausführliche und umfangreiche Datenbasis wäre an die individuelle Partnersuche des Benutzers angepaßt.   Das wären sowohl Informationen über die eigene Person als auch darüber, was bei einem Partner gewünscht und akzeptabel ist.   
In dem Fall, daß zwei Personen mit 100%iger beidseitiger Übereinstimmung sich irgendwo zufällig begegnen, würde das SPEG das signalisieren und die Richtung anzeigen, in der sich der mögliche Partner befindet.   
Da es viele Gründe geben kann, warum man in diesem Augenblick nicht einfach aufeinander zugehen und ein Gespräch beginnen kann oder möchte, würde das SPEG zusätzlich eine Auswahl an Reaktionsmöglichkeiten bieten.   Das kann neben dem Signal, daß kein Interesse besteht, auch die Übermittlung der Email-Adresse oder Tel.-Nummer sein, oder aber die Ermutigung, direkt Kontakt aufzunehmen.

 
Leider aber wird ein SPEG wahrscheinlich nie gebaut, denn die Entscheidungen, welche Geräte entwickelt und vermarktet werden, werden meistens von Männern getroffen.    
Das Ergebnis des Einsatzes von SPEG wären wenige Erfolge der Körperjäger und weniger unglückliche ausgenutzte Frauen.

Ein SPEG würde in erster Linie den Frauen nützen, die eine ernsthafte Beziehung suchen und die vermeiden wollen, daß sie mit Lügen dazu manipuliert werden, sich versehentlich von einem Straßenköter für eine Einmalkopulation oder Kurzzeitaffäre mißbrauchen zu lassen.   
Am erfolgreichsten lügen und manipulieren kann ja bekanntlich derjenige, der seine Lügen spontan und flexibel an das anpassen kann, was der andere hören und glauben möchte.   Wenn Lügen mit bekannten Tatsachen oder Angaben verglichen werden können, schränkt das die Möglichkeiten deutlich ein.  
Zwar kann ein Mann, der nur auf der Suche nach dem Gebrauch eines Körpers ist, auch beim Einrichten des SPEG lügen.   Aber die voreingestellten Informationen beschränken stark, zu wem die Lügen so gut passen, daß das SPEG eines möglichen Opfers überhaupt darauf anspricht.   Die schon vor einer möglichen Kontaktaufnahme im SPEG festgelegten Angaben würden flexible Lügen reduzieren und dadurch auch deutlich die Anzahl der möglichen Opfer.  
Ein SPEG würde eine Frau in die Lage versetzen, Anmache von Straßenkötern immer zurückzuweisen, ohne zu riskieren, daß manchmal auch ungeschicktes Verhalten eines passenden Partners als Anmache mißverstanden werden könnte.
Ein SPEG würde also auch die Chancen der ernsthaft partnersuchenden Männer erhöhen. Empfangene Signale vom SPEG eines Mannes können zumindestens als Indiz wahrscheinlicher Ernsthaftigkeit interpretiert werden.    Ein Mann mit einem SPEG könnte dann eher auf eine akzeptierende Antwort hoffen als einer, bei dem Anmache befürchtet wird.  

Außerdem zwingt das sorgfältige Eingeben der Daten in ein SPEG ebenso wie in ein Profil dazu, sich besser darüber klar zu werden, was man will und was man bietet.    Das würde rücksichtsvolle und verantwortungsbewußte Menschen in die Lage versetzen, andere nicht aufgrund von Mißverständnissen, falschen Annahmen und Gedankenlosigkeit zu verletzen und zu enttäuschen.      


Sonntag, 24. August 2014

16. Robert Epstein und die kopfgesteuerte Methode, eine Partnerschaft aufzubauen

16.  Robert Epstein und die kopfgesteuerte Methode, eine Partnerschaft aufzubauen
Ich suche einen kopfgesteuerten Mann als Partner.   Da stellt sich zunächst die Frage, was überhaupt einen Mann dazu befähigt, kopfgesteuert zu sein.

Bezogen auf Paarbindung und Partnersuche ist ein Mann dann kopfgesteuert, wenn seine nichtkörperlichen, also im wesentlichen seine intellektuellen und emotionalen Bedürfnisse an eine Lebensgemeinschaft eindeutig und deutlich stärker sind als die körperlichen.   

Dabei können entweder die körperorientierten instinktiven Triebe unterdurchschnittlich sein oder die kognitiven Bedürfnisse und Fähigkeit überdurchschnittlich. 

Im ersten Fall sind das Männer, auf die Etiketten wie sapiosexuell oder demisexuell passen.   Ein solcher Mann reagiert nicht mit rein körperlichen Kopulationstrieben auf die äußerlich von weiblichen Körpern ausgehenden Signale.   Deshalb sinkt er nie so tief, daß er bindungslos wie ein Straßenköter kopulieren würde.
"Sapiosexualität bzw. sapiosexuell beschreibt jene sexuelle Orientierung, die mehr bzw. vorwiegend auf den Verstand eines anderen Menschen denn auf dessen Körper ausgerichtet ist"

http://lexikon.stangl.eu/12268/sapiosexualitaet/

"demi-sexuell: spezielle Form von grey-asexuell; bezeichnet eine Person, bei der sexuelle Anziehung nur dann aufkommt, wenn bereits schon eine emotionale Verbindung geformt wurde"
http://asymptotisch.blogspot.de/p/glossar.html

Wenn man den kopfgesteuerten Beziehungsaufbau als eine Entwicklung ansieht, die mit intellektueller Attraktion beginnt, dann sind vermutlich die sich ergebende intellektuelle Intimität und emotionale Intimität zwei Seiten der selben Münze.   Intellektuelle Intimität ist eine Form der Nähe, die auch emotional als solche gefühlt wird.   Deshalb ist die körperliche Intimität immer erst der Endpunkt der Entwicklung, egal ob sich jemand selbst eher als sapiosexuell oder als demisexuell wahrnimmt und definiert.  


Die zweite Variante ist der Denkansatz von Robert Epstein.   Um die Vorschläge von Epstein zu verstehen, empfiehlt es ich, das Interview vollständig zu lesen.   
http://www.textezurkunst.de/52/lieben-lernen/
Dabei geht es im wesentlichen darum, sich nur von langfristigen Erwägungen anstatt von momentanen instinktiven Trieben leiten zu lassen.  Dadurch sollen die Fehler vermieden werden, die wegen der anfänglichen, instinktbedingten leidenschaftlichen Vernarrtheit sehr oft zu selbst- und fremdschädigendem Verhalten führen.  

Mit den grundsätzlichen Überlegungen von Epstein bin ich völlig einer Meinung.   Aber ich halte eine sehr sorgfältige Auswahl von wirklich ähnlichen Partnern für entscheidend wichtig.    Ich bezweifle, daß Menschen, deren Bedürfnisstrukturen, Wertesysteme und Weltbild zu unterschiedlich sind, sich je lieben können.   Nur die vorübergehende, wahllose Vernarrtheit zwischen Körpern ist möglich, und die möchte Epstein ja gerade und mit gutem Grund vermeiden.

Auch die Vorgehensweise sollte sich etwas flexibler an der Individualität der beiden Beteiligten orientieren.  Epstein hatte schon ein fertiges Konzept und hat dann eine Partnerin gesucht, die das akzeptiert.   Ich halte es für besser, wenn zwei Partner als ersten Schritt in der Entscheidung für eine gemeinsame Zukunft zunächst gemeinsam ihre persönliche Form der angestrebten Lebensgemeinschaft definieren.  Davon und von den Vorbedingungen und Vorerfahrungen hängt dann ab, welche Methoden dabei am sinnvollsten und zweckmäßigsten sind.  


Die Vorgehensweise nach Epstein ist zwar in erster Linie eine Methode, um die schädlichen Auswirkungen der durch Körpersignale ausgelösten Instinkthaftigkeit zu vermeiden.    Aber auch wenn jemand als Sapiosexueller oder Demisexueller dieses Problem nicht hat, ist dennoch auch in diesem Fall die Vorgehensweise nach Epstein sehr geeignet.

Ich suche jemanden als Partner, der gezielt, sorgfältig und durchdacht eine kopfgesteuerte Partnerschaft in Anlehnung an die Ideen Epsteins aufbauen möchte.

Ich hatte schon in einem früheren Eintrag geschildert, wie man dabei vorgehen könnte.  

Samstag, 23. August 2014

15. Wahrscheinlichkeitsdenken: Die rationale Alternative zum Glauben

15.   Wahrscheinlichkeitsdenken: Die rationale Alternative zum Glauben
Sich verhalten bedeutet fast immer, daß man sich für eine von mehreren Verhaltensalternativen entscheidet.   Im einfachsten Fall ist diese Entscheidung die zwischen etwas tun oder etwas unterlassen.
   
Um eine Entscheidung zu treffen, braucht man eine ausreichende Ausgangsbasis von subjektivem Wissen über die Unterschiede zwischen den Verhaltensalternativen, damit ein Vergleich möglich ist.  Diese Basis besteht aus echten oder vermeintlichen und scheinbaren Informationen und aus mehr oder minder plausiblen Annahmen.

Um sich eine solche Basis zu verschaffen, gibt es zwei grundlegend unterschiedliche Vorgehensweisen:

1.  Glauben 

Wer glaubt, der übernimmt meistens ohne überhaupt nachzudenken Behauptungen anderer als wahr und als so sehr in aller Ewigkeit gültig, daß auch eine zukünftige Überprüfung nicht mehr denkbar ist.  Dadurch sind Entscheidungen automatisch von der nicht mehr angezweifelten angeblichen Wahrheit determiniert und daran kann sich auch nichts mehr ändern.   Es sei denn, jemand wird durch ein Schockerlebnis zuerst von dem Glauben geheilt.     

2.  Wahrscheinlichkeitsdenken

Wahrscheinlichkeitsdenken bedeutet, auf die Zukunft bezogene Entscheidungen von der aus der Erfahrung bekannten oder geschätzten bisherigen relativen Häufigkeit abhängig zu machen.  

Wenn beispielsweise jemand an 100 Arbeitstagen jeden Morgen zur selben Zeit 60 Mal einen freien Parkplatz findet, dann ist die Wahrscheinlichkeit dafür, am 101. Tag einen freien Parkplatz zu finden p = 0,6.    Dies gilt aber nur solange, wie sich die Situation und die Gegebenheiten nicht verändern.   Eine Betriebserweiterung oder ein zusätzlicher Parkplatz würde die Wahrscheinlichkeit ändern und damit auch das Verhalten.

Werden dann auch noch die möglichen Konsequenzen gewichtet, in obigem Beispiel also, ob gelegentliches Zuspätkommen folgenlos bleibt oder auf jeden Fall vermieden werden muß, lassen sich Entscheidungen flexibel optimieren.


Bei sehr vielen Dingen im Leben muß man aber Entscheidungen treffen, ohne auf eigene Erfahrungen zurückgreifen und/oder ohne die Möglichkeit, benötigte Informationen in eigener direkter Erfahrung nachprüfen zu können.  Das betrifft zum einen die Unwägbarkeit von Lebensereignissen wie z.B. Krankheit oder Arbeitslosigkeit, zum anderen die Methoden, mit denen solche Ereignisse verhindert oder die Folgen gemildert werden können.  Hier helfen nur Vermutungen und Schätzungen.   Die aber werden nur als momentan gültige Annäherungswerte betrachtet und immer wieder überprüft und angepaßt.    Das ermöglicht angemessene Vorsicht und Bemühungen um Vorbeugung. Wer hingegen an einen Schutzengel, Magie, Amulette, Hellseherei und dergleichen glaubt, ist dem ausgeliefert, was ihn unerwartet trifft.


Beispiel 1:  Jemand ist krank und ein Arzt schlägt ihm eine bestimmte Behandlung vor.  

1.   Als medizinischer Laie kann er zunächst die Wahrscheinlichket, wie weit diese Behandlung hilft oder sogar schaden kann, auch nur sehr schlecht abschätzen.   Aber er kann seine Einschätzung verbessern, indem er immer mehr Informationen verarbeitet.   Vorschläge von anderen Ärzten, Erfolge der Ärzte mit ähnlichen Fällen, medizinische Literatur, Erfahrungen anderer mit dieser Krankheit sind solche Möglichkeiten.   Wenn er am Ende eine Entscheidung trifft, ist das dann die bestmögliche, auch wenn sie trotzdem noch falsch sein kann. 

2.1.   Der religiös Glaubende trifft keine Entscheidung, die überläßt er anderen.   Er betet darum, gesund zu werden.   Wenn das nicht hilft, ist eben die Krankheit Gottes Wille, der duldsam zu ertragen ist.   Oder er betet, daß Gott ihm die Erleuchtung geben möge, die richtige Entscheidung für oder gegen die vorgeschlagene Behandlung zu treffen.   

2.2.  Der unkritisch Leichtgläubige tut zunächst, was der Arzt sagt.    Falls es nicht sofort umfassend wirkt, geht er zu einem Quacksalber (beschönigend Heilpraktiker genannt), am ehesten zu dem, dessen Heilungsversprechungen am lautesten und überzeugendsten sind.    Dem bezahlt er gutes Geld für wirkungslose Pillen und Wässerchen (Homöopathie) und sonstigen Hokuspokus.  
So weit harmlose Symptome durch den Placeboeffekt verschwinden, ist das nur dumm.   Aber wenn auf diese Weise ernste Krankheiten nicht behandelt werden, dann sind die Leichtgläubigen schnell die Opfer von legalem Betrug, auch dann, wenn sie selbst das nicht einmal merken.
  

Der Glaube an Gott und an die Homöopathie waren zwei Beispiele von vielem, wovon Menschen ihre Entscheidungen abhängig machen. Astrologie, Geistheiler, Wünschelrutengänger, Glückszahlen, Fengshui und vieles andere gehört auch dazu.   Wer an solchen Schwachsinn nicht glaubt, schüttelt verwundert den Kopf.  

Beispiel 2:  Es ist sicherlich schwierig, sich immer richtig zu entscheiden, wie weit welche Lebensmittel oder Inhaltsstoffe davon gesund oder schädlich sind.   Da hilft nichts außer sich immer wieder zu informieren und sein Verhalten so gut es geht an den Informationen auszurichten.  

Unsinnig ist es, wenn religiös Glaubende wegen religiöser Vorschriften manche Lebensmittel gar nicht, andere nicht zusammen oder zu bestimmten Zeiten nicht essen.   Unsinnig ist es auch, jede Panikmache sofort ungeprüft zu glauben, nur weil irgendein New-Age-Eso-Guru behauptet, irgendeine Substanz oder ein Verfahren sei schädlich.  Genau so unsinnig ist es auch, mehr Geld für Lebensmittel zu bezahlen, nur weil jemand behauptet, Aussaat nach dem Mondkalender und ähnlichem Hokuspokusd würde das Produkt so besonders gesund machen, daß das den hohen Preis rechtfertigt.

Deshalb passen Glaubende und wissenschaftlich orientierte Wahrscheinlichkeitsdenker nicht als Partner in einer Paarbeziehung zusammen.  Gemeinsame Entscheidungen sind nicht möglich, stattdessen führen die unterschiedlichen Denkweisen zu unvermeidlichen und meist unlösbaren Konflikten.